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Hasan Salihamidzic im Porträt Bursche unter Strom


Ein bisschen arg hibbelig ist er. Rutscht auf seinem Stuhl hin und her, streicht sich durchs strubbelige Haar, kratzt sich am  Ohrläppchen, kreuzt die Beine von links nach rechts und von rechts nach links. "Durchgedreht bin ich jedenfalls nicht", sagt Hasan Salihamidzic. Lob von Roberto Carlos

Nicht  durchgedreht, aber aufgedreht: "Er spielt immer mit totalem Engagement", sagt Real Madrids Superstar Roberto Carlos über den 25-Jährigen Bayern-Spieler. "Was der auf der Linie auf und ab  rennt, ist schon sagenhaft." "Mann muss irgendwie ein Tier sein", kommentiert "Brazzo" seine Laufwut.

Von Mostar nach Hamburg
Brazzo haben ihn seine bosnischen  Spielkameraden, mit denen er auf der Straße kickt, genannt: Auf Deutsch: Bursche. Mit zehn Jahren tritt das Bürschchen Turbina Jablancia, dem größten Verein des Ortes, bei. Ein paar Jahre später wechselt  er zum renommierten Club Velez Mostar. 50 Kilometer von zu Hause entfernt, fast jeden Tag mit dem Bus hin und her. Brazzo ist immer auf Achse. 1992 bricht der Krieg in Bosnien aus. Die besorgten Eltern  schicken den 15-Jährigen zu Verwandten nach Hamburg. Dort landet er beim HSV. Und schafft es bis ins Bundesliga-Team, wird Stammspieler.

"Ich packe das"
Nach sechs Jahren kehrt  Hasan Salihamidzic 1998 der Hansestadt den Rücken. Der FC Bayern wartet. "Alle haben gesagt: Was will der?", erinnert sich "Brazzo". "Wenn er so verbissen ist, den Fehler zu  machen, dann muss er gehen und lernen", gibt der damalige HSV-Coach Pagelsdorf dem Burschen mit auf den Weg. Hat "Brazzo" nicht gestört. Er geht und lernt: "Ich war total überzeugt,  dass ich es packe."

Allrounder im Bayern-Dress
Durchgebissen hat sich das Neujahrskind tatsächlich. Der 25-Jährige ist die Allzweckwaffe im  Münchner Team: Beidfüßig geschickt, stark im Zweikampf, klasse Technik. Mal setzt ihn Trainer Hitzfeld hinten links ein, dann wieder auf der rechten Seite. Mal spielt Brazzo offensiv, dann übernimmt er  Defensivaufgaben. Wie ein aufgezogener Brummkreisel, der mal hierhin, mal dorthin rutscht, kreist Salihamidzic durch die Reihen. Rotationsprinzip auf dem Rasen. "Ich bin damit zufrieden", sagt  der Mann mit der Rückennummer 20, "es kann ja nur von Vorteil sein, wenn man mehrere Positionen spielt."

Dauer(b)renner Salihamidzic
Wer überall spielen kann, kann auch immer eingesetzt werden: In zwölf von 13 Bundesligaspielen  und sechs von sieben Champions-League-Partien steht Brazzo zu Beginn der Saison auf dem Platz. Hasan, der Dauer(b)renner. Bis zum 20. November 2001. In der Champions-League-Partie gegen Manchester United  muss er verletzt vom Spielfeld. Diagnose: Kreuzbandriss, voraussichtlich ein halbes Jahr Pause. Die Bayern kommen ohne ihren Dauerläufer in der Bundesliga ins Straucheln. Salihamidzic kommt aber schnell  wieder auf die Beine. Nach nur 119 Tagen rotiert Brazzo wieder übers Spielfeld.

Rhythmus, wo er mit muss
Auch für Rotation ganz anderer Art ist Salihamidzic zu haben. Wenn sich Schallplatten auf den  Tellern drehen, ist der Musik-Freak nicht zu mehr halten. Er steht auf Hip Hop und Soul. Rhythmus, der in die Beine fährt. Dann rotiert er in der Münchner In-Disco Pacha.

Familienmensch Hasan
Ein wenig Ruhe findet Salihamidzic im Familienkreis. Mit Freundin Esther hat der begeisterte  Golfspieler eine einjährige Tochter. "Celina macht mich einfach happy", sagt Brazzo, "und Esther nimmt mir alles ab." Überhaupt ist Familie ein wichtiger Punkt im Leben des Bosniers.  Oft besucht er seine Verwandten im Heimatland. Es macht ihn glücklich, dass er seine Eltern unterstützen und seiner Schwester das Studium ermöglichen kann. "Ich weiß, wie es ist, in anderen  Verhältnissen zu leben und ich werde das nie vergessen", sagt er.

Finger in der Steckdose
Warum Hasan Salihamidzic dennoch fast ständig unter Strom steht? Das weiß er selber nicht.  "Vielleicht schläft er ja nachts mit dem Finger in der Steckdose", hat Ex-Bayern-Kapitän Stefan Effenberg mal vermutet. Vermutlich lädt Hasan Salihamidzic so seinen Akku wieder auf.

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