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Ailton im Porträt.  Traum-Tänzer und Kugelblitz

Mogeiro: Klingt nach Musik, Urlaub, Sonne, Entspannung. Ein bisschen wie Mojito, dem Lieblingsdrink von Ernest Hemingway, dem  der amerikanische Dichter unter dem karibischen Himmel verfallen war. Aber Mogeiro ist kein Cocktail, sondern ein kleines Dörfchen in Brasilien, irgendwo im Nordosten des südamerikanischen Landes. In  diesem Nest kommt am 19. Juli 1973 ein properer Ailton Concalves da Silva zu Welt.

Böses Erwachen
Bremen: Werften, Werder, Arbeit, Wind und Wetter. "Du kommst in ein fremdes Land, verstehst kein Wort,  frierst dir sonst was ab und wirst dann noch nicht einmal eingesetzt. Da kannst Du als Fußballspieler lieber sterben", sagt 25 Jahre später jener Ailton Concales da Silva, als ihn Werder Bremen 1998  als Stürmer verpflichtet.

Pudding und Eiskugeln
Ailton: 74 Kilo bei 1,77 Meter Größe. "Pudding auf zwei Beinen" nennt ihn Chef-Motzer Max  Merkel und fragt hämisch, "aus welcher Konditorei sie den rausgeworfen" hätten. Auch Ex-Werder-Regisseur Andreas Herzog spottet über die Fußball-Qualitäten des damals 25-Jährigen: "Der ist  wohl gerade in der Eisdiele gewesen, als sie in Brasilien Kombinationsfußball durchgenommen haben!" Ailton, die Eiskugel.

"Magath nix gut"
Wetter mies, Sprache schlecht und "Magath nix gut". Der Bremer Coach organisiert für  Ailton einen Dauerplatz auf der Tribüne, lässt sich über seine technischen Defizite aus und hätte ihn wohl am liebsten zurück zu seinem Verein Tigris Monterrey geschickt. Magaths Vorgänger Wolfgang Sidka  hatte den Brasilianer von dem mexikanischen Club verpflichtet - für damals fünf Millionen Mark. Ailton - Bremens teuerster (Fehl)-Einkauf in der Vereinsgeschichte.

"Traum-Tänzer" Ailton
Ein trauriger Brasilianer an der tristen Weser. "Was soll ich hier im kalten  Deutschland?", sehnt sich der Vater einer Tochter nach der Heimat zurück. Ailtons größter Traum: Einmal in der brasilianischen Selecao spielen. "Trainer Scolari würde sicher keinen Fehler  machen, wenn er mal in Bremen vorbeischaut," sagt Ailton. Der Mann, der in Bremen nur ein Schattendasein fristet, zehrt von der Erinnerung an das sonnige Brasilien. "Für mich gab es früher nur  Pferde und Fußball", erzählt Ailton. Mit seinem vier Brüdern und drei Schwestern verbringt er viel Zeit auf der väterlichen Ranch. "Und fast jeden Tag eine Fiesta in meinem Dörfchen." Viel  Tanz und Trubel. "Ich bin ein guter Tänzer" behauptet Ailton, den sie in Bremen "Toni" nennen.

"Wir können nicht brasilianisch spielen"
Behende seine Füße über den Platz bewegen kann er ja, der Ailton. Oft  braucht der Mann mit der Rückennummer 32 aber zu viele Chancen. Oder er ignoriert den Nebenmann. Aber Brasilianer sind immer kleine Egozentriker. "Er muss sich anpassen. Wir können wir hier nicht  brasilianisch spielen. Ailton muss sich schon auf die deutsche Spielweise einstellen", weist Werder-Trainer Thomas Schaaf den Einzelkönner anfangs zu recht.

Goalgetter Ailton
Und Ailton begreift: Tore macht er mit links. 14 sind es in der Saison 2000/2001. Elf seiner Treffer  erzielt der immer noch etwas pummelige Brasilianer mit dem linken Schlappen - so viel wie kein anderer in der Bundesliga. Jetzt ist auch Trainer Schaaf zufrieden: "Ich wusste immer, dass er nicht  nur ein Geradeausläufer ist, sondern auch Fußball spielen kann". Ailton heißt jetzt "Kugel-Blitz.

Wo liegt Norderney?
Norderney, Anfang Juli 2002: Werder-Trainingslager auf der Nordsee-Insel. Ailton fehlt. "Wir sind  gespannt, ob er Norderney findet - beim Suchen helfen werden wir ihm nicht", spöttelt Bremens Mediendirektor Tino Polster. Vermutlich träumt der Stürmer mal wieder. Irgendwann taucht Ailton auf dem  Nordsee-Eiland auf: "Er wird alles, was sich seine Mannschaftskollegen schon erarbeitet haben, nachholen müssen", schimpft Werder-Coach Schaaf.

Kugelblitz ohne Spannung
Drei Wochen später: Werder-Testspiel gegen den holländischen Erstligisten Kerkrade. Die  Weser-Kicker verlieren 1:2. Dem Kugelblitz fehlt jegliche Energie. Trainer Schaaf nimmt den Brasilianer zur Halbzeit raus. Beim Liga-Auftakt gegen Arminia Bielefeld will 29-Jährige seine Formsuche  abgeschlossen haben: "Zum Bundesligastart bin ich da", verspricht Ailton. Wenn er nicht wieder von Mogeiro träumt

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